Ökosan - moderne und nachhaltige Sanitärversorgung

- Projekt abgeschlossen

Beispiel Ökosan-Toilette
In Regionen mit Wassermangel sind wasserverbrauchende Sanitärlösungen, wie Spültoiletten, grundsätzlich problematisch. Meist geht das Hand in Hand mit fehlender Abwasserreinigung. Hier bieten sich Kreislaufsysteme an, welche sowohl die Sanitärversorgung als auch das Abwasser so behandeln, dass menschliche Ausscheidungen und häusliche Abwässer nicht „entsorgt" sondern wiederverwendet werden können (siehe).
Das setzt einen Umdenkungsprozess voraus und manchmal auch eine Rückbesinnung auf traditionelle Verfahren, die wir heute mit modernen Methoden optimieren können.
Diese, unter dem Begriff Ecosan (= ecological sanitation), bekannten Systeme wurden in den letzten Jahrzehnten weiterentwickelt und in vielen Ländern erfolgreich eingesetzt.

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Ziel von Ecosan ist es, - neben der Reduzierung des Wasserbedarfs und der Wasserverschmutzung - die in Fäkalien und im Abwasser enthaltenen wertvollen Nährstoffe (z.B. Stickstoff, Phosphor) zurückzugewinnen und als natürlichen Dünger in der Landwirtschaft zu nutzen. Der Kreislauf schließt sich, wenn die dadurch gewonnenen Agrarprodukte konsumiert, ausge-schieden und im Rahmen der Ökosan-Idee wieder verwendet werden. Ecosan steht dabei nicht für eine bestimmte Technologie, sondern mehr für eine Denkweise. Die unter Ecosan eingesetzten Technologien decken daher ein weites Spektrum von Trockentoiletten mit Urinseparation über Kompost-toiletten mit und ohne solarthermischer Heizung bis zu Pflanzenkläranlagen und Biogasreaktoren ab.
Davon scheinen die Ecosan-Toilettensysteme im Projektraum Nordwestargentinien die größten Chancen zur praktischen Anwendung zu bieten.

Die verschiedenen Toilettensysteme wurden technisch so weit entwickelt, dass sie heute in vielen Ländern Afrikas, Asiens, des Nahen Ostens, Europas und Lateinamerikas erfolgreich im praktischen Einsatz sind. So werden z. B. in Mexiko - seit Mitte der 1970er Jahre weit verbreitet - solargeheizte Trockentoiletten mit Urinseparation genutzt oder im Andenhochland von Ecuador in 3.500 – 4.000 m Höhe seit 1985 in der Provinz Cotopaxi Zwei-Kammer-Komposttoiletten eingesetzt. Der Trocknungs- und Kompostierprozess wird dabei durch den Einsatz von Solarheizungen beschleunigt (s. Bild 1 und Bild 2).

Bild1 Bild2

Bild 1: Trockentoilette mit Urinseparation und Bild 2: Zwei-Kammer-Trockentoilette mit
Solarheizung in San Salvador (aus Esrey et al., Solarheizung in Ecuador (aus: Esrey et al., 1998) 1998)

aktueller Stand

Insbesondere die Erfahrungen im Hochland von Ecuador, in vergleichbarer Höhenlage gelegen, wie die Puna in NW-Argentinien, haben gezeigt, dass aufgrund der dort herrschenden geringen Luftfeuchte Urin-Separation nicht erforderlich ist. Aufbauend auf diesen Erfahrungen und der fachlichen Beratung durch den örtlichen GTZ- Mitarbeiter sowie der wissenschaftlichen Betreuung durch das Team von Prof. Otterpohl von der Techn. Universität Hamburg-Harburg wird in einer Arbeitsgruppe von Ökoandina (G. u. M. Morgenschweis, J.-E. Kapp) zurzeit die Installation einer solchen Trockentoilette im neuen Ökozentrum in Misa Rumi als Pilotprojekt geprüft.

Bisher wurde die Trockentoilette im Ecohuasi von den einheimischen Besuchern sehr skeptisch aufgenommen. Kein Wunder, da sie gerade erst in den Genuss von Wasserspüling kamen und dies als zivilisatorischen Fortschritt wahrnahmen. Um die Vorteile der Trockentoilette zu erkennen müssen wohl noch ein paar Jahre ins Land gehen.

Grundsätzlich spricht für den Einsatz von Komposttoiletten neben den allgemeinen ökologischen Vorteilen auch, dass

  • ihre Installation und Nutzung ohne Urinseparation erheblich einfacher ist,
  • die sozio-kulturellen Einwände gegen die Nutzung von Urin als Flüssigdünger entfallen,
  • das Endprodukt ein nährstoffreicher Kompost ist, der sowohl als Dünger für die angebauten Kulturpflanzen als auch als Bodenstrukturverbesserer eingesetzt werden kann.

Aufgrund der begrenzten Verfügbarkeit von Wasser in dieser Bergregion kann durch den Einbau von Ökotoiletten der zukünftig zu erwartende Zielkonflikt zwischen der Nutzung des Wassers für die Sanitärversorgung einerseits und für die Bewässerung der Kulturpflanzen andererseits vermieden werden. Gleichzeitig wird damit ein wesentlicher Beitrag zur Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit und zur Erhöhung der Ernährungssicherheit geleistet.

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Darüber hinaus würde das zurzeit im Aufbau befindliche ökologische Fortbildungszentrum in Misa Rumi auch bezüglich der Sanitärversorgung eine Vorbildfunktion für die gesamte Puna einnehmen.

Unabhängig davon wird die Möglichkeit überprüft, in Jujuy in der Nähe des Solarzentrums von Ecoandina (CEDIERA) ein Ecosan-System für eine städtische Nutzung zu installieren.

G. Morgenschweis
Essen, im April 2011